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Mehrfach Selbständig


Gehen Sie in (mindestens) zwei Staaten gleichzeitig einer selbständigen Erwerbstätigkeiten nach, unterliegen Sie den Rechtsvorschriften jenes Staates, indem sich Ihr Wohnort befindet. Voraussetzung ist aber auch, dass Sie in diesem Land einen wesentlichen Teil Ihrer Erwerbstätigkeit ausüben. Anderenfalls sind die Rechtsvorschriften jenes Staates anzuwenden, in dem sich der Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit befindet. Bei der Anwendung dieser Zuordnungsregelungen wird nicht unterschieden, ob gleichzeitig eine gewerbliche (betriebliche, freiberufliche) Tätigkeit und eine selbständige Tatigkeit im Bereich der Land- oder Forstwirtschaft ausgeübt wird. Die nachfolgenden Ausführungen gelten daher auch bei einer gewerblichen Tätigkeit in Österreich und einer in einem anderen EU/EWR-Staat oder der Schweiz ausgeübten landwirtschaftlichen Tätigkeit und umgekehrt.

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Wesentlicher Teil der Tätigkeit

Für die Prüfung, ob ein wesentlicher Teil der Erwerbstätigkeit im Wohnsitzstaat ausgeübt wird, sind die Arbeitszeit  und/oder das Einkommen heranzuziehen. Wird im Rahmen dieser Bewertung ein Anteil von mindestens 25 Prozent erreicht, so sind die Rechtsvorschriften des Wohnsitzstaates anzuwenden.

Beispiel: Sie wohnen in Österreich, wo sich auch Ihr Firmensitz befindet . Allerdings handelt es sich nur um Büroräumlichkeiten, während sich eine Produktionsstätte in der Slowakei befindet. Ihre Arbeitszeit verbringen Sie zu einem überwiegenden Teil im Büro mit administrativen Tätigkeiten, auch der Vertrieb wird von Österreich aus gesteuert. In der Slowakei führt ein Geschäftsführer das Tagesgeschäft. Sie selbst halten sich meistens nur für wenige Tage im Monat dort auf.

In diesem Beispiel sind somit die österreichischen Rechtsvorschriften anzuwenden, weil Sie alleine schon aufgrund der persönlich erbrachten Arbeitsleistung den wesentlichen Teil Ihrer Tätigkeit in Österreich ausüben.

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Mittelpunkt der Tätigkeit

Wird im Wohnsitzstaat nicht auch der wesentliche Teil der Tätigkeit ausgeübt, ist für die Zuständigkeitsprüfung in erster Linie jener Ort maßgebend, an dem sich eine feste und ständige Niederlassung befindet, von der aus der Tätigkeit nachgegangen wird. Weiters sind Art und Dauer der ausgeübten Tätigkeiten entscheidend.

Beispiel 1: Sie haben Ihren Wohnsitz in Österreich und halten Vorträge in der gesamten Europäischen Union. Die Tätigkeiten werden in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich lange ausgeübt und unterliegen keiner regelmäßigen Abfolge. In Österreich halten Sie keine oder nur vereinzelt Vorträge. Sie üben hier somit keinen wesentlichen Teil Ihrer Tätigkeit aus (so wie weiter oben beschrieben). Die notwendigen administrativen Teile Ihrer Vortragstätigkeit erledigen Sie aber an Ihrem Wohnsitz (Vorbereitung, Erstellung und Aktualisierung der Vortragsunterlagen, schriftliche Aufbereitung, Buchhaltung, sonstige administrative Tätigkeiten usw ).

Obwohl Sie also in Österreich nicht oder im Verhältnis zu den anderen Staaten nur geringfügig vortragen, sind für Sie die österreichischen Rechtsvorschriften maßgebend. Der Grund: Auch die Verwaltungs- und vorbereitenden Tätigkeiten sind für die Ausübung Ihres Berufes unbedingt notwendig. Diese, wie auch alle anderen Belange, erledigen Sie an Ihrem Wohnsitz.  Daher ist der Wohnsitz der Ort, von dem aus der Tätigkeit nachgegangen wird.

 Beispiel 2: Sie wohnen in Österreich und betreiben eine Handelsagentur mit Sitz in Ungarn. Von dort aus betreuen Sie Kunden vor allem im osteuropäischen Raum, gelegentlich auch in Österreich.

Obwohl sich Ihr Wohnsitz in Österreich befindet, sind in diesem Fall die ungarischen Rechtsvorschriften anzuwenden. Der Grund: Sie gehen von einer in Ungarn gelegenen festen Betriebsstätte aus Ihrer Erwerbstätigkeit nach.

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Österreich ist zuständig

Ergibt die Prüfung, dass Österreich der für Sie zuständige Staat ist, wird die Auslandstätigkeit so behandelt, als würde sie im Inland ausgeübt. Handelt es sich bei der ausländischen Tätigkeit um eine, die auch bei Ausübung in Österreich zur Versicherung führen würde, wird die SVA für die Ermittlung der Beitragszahlungen zu den in Österreich erzielten Einkünften die ausländischen hinzurechnen. Als Obergrenze gilt jedoch die für das jeweilige Jahr festgesetzte Höchstbeitragsgrundlage. Im Ausland entsteht für Sie jedoch Versicherungsfreiheit. Informationen zur Pflichtversicherung, zu den Versicherungsbeiträgen und zur Beitragszahlung erhalten Sie unter "Mehr-Versicherung und Beiträge" in der Linkbox auf der rechten Seite.

Handelt es sich bei der ausländischen Tätigkeit um eine land- oder forstwirtschaftliche, so ist für die diesbezüglichen Prüfungen (z. B. Pflichtversicherung) die Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) zuständig.

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Anderer Mitgliedstaat ist zuständig

Hier erfolgt eine Zuordnung zur ausländischen Sozialversicherung. Dadurch entsteht für Sie Versicherungsfreiheit in Österreich. Der zuständige Staat hat nun die in Österreich ausgeübte Tätigkeit so zu betrachten, als würde sie auf seinem Hoheitsgebiet ausgeübt werden. Nachdem die Sozialsysteme in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich sind - insbesondere für Selbständige -, kann die Unterstellung in das ausländische Rechtssystem dazu führen, dass keine Versicherung mehr besteht. In diesem Fall gibt es natürlich die Möglichkeit, in Österreich eine freiwillige Weiterversicherung in der Kranken- und/oder Pensionsversicherung einzugehen. Mehr Information dazu finden Sie unter "Mehr-Freiwillige Versicherungen" in der Linkbox auf der rechten Seite.